Hand und Stift

Digitale Sketchnotes am Tablet erstellen mit einem Digital Lettering Kurs

Ein Buchstabe ohne kalibrierte Procreate-Einstellungen sieht aus wie eine Unterschrift unter Vollnarkose. Der exakt gleiche Buchstabe mit getrennten Ebenen und dem richtigen Brush wirkt wie aus einem Produktdesign-Workflow für digitale Sketchnotes. Dazwischen liegt kein Talent. Dazwischen liegt ein Digital Lettering Kurs und ein paar visuelle Notizen, die inzwischen wirklich lesbar sind.

Kurzer Hinweis vorab: In diesem Text stecken Affiliate-Links. Bucht jemand darüber einen Kurs, bekomme ich eine Provision, der Preis bleibt für euch gleich. Ich schreibe nur über Tools, die bei mir im Hamburger Büro-Alltag wirklich über Wochen liefen.

Ich arbeite als Product Manager in einem Hamburger SaaS-Unternehmen — kein Designer, keine Kunstschule, nichts dergleichen. Ende 2025 habe ich angefangen, visuelle Notizen statt linearer Meeting-Protokolle zu bauen, weil meine eigene Schrift nach dem dritten Quartal für mich selbst unlesbar war. 62 Prozent meiner Arbeitswoche verbringe ich laut Kalender in Meetings — viel Gelegenheit, Dinge falsch mitzuschreiben.

Vorher gab es schon einen Versuch mit einer Notion-Datenbank für Meeting-Notizen, mit Tags, Relationen und dem ganzen Komfort, den so ein Tool verspricht. Nach einer Woche habe ich sie nie wieder geöffnet. Zurück zum Standard-Textfeld, zurück zum Chaos.

Ohne Kalibrierung bleibt jede Tablet-Notiz Chaos

Der erste Monat mit dem iPad war kein Fortschritt, sondern neues Chaos mit Akku. Procreate lief auf Werkseinstellungen, der Brush war viel zu groß für kleine Notizen, und jeder Buchstabe sah aus, als wäre er im fahrenden Zug entstanden. Ein 'S' kollabierte zur Acht. Ein Pfeil wurde zur Welle.

Ein Backlog-Refinement vor einigen Wochen hat das besonders deutlich gemacht. Eine Stunde lang entstanden komplexe Verbindungen und Symbole, bevor klar wurde: alles lag fix auf der Hintergrundebene. Nichts ließ sich mehr verschieben, nichts trennen. Die Flexibilität, die ein Tablet eigentlich verspricht, war weg, kaputtgespielt durch eine Ebenen-Logik, die ich halt ignoriert hatte.

Apple Pencil zeichnet einen Buchstaben für digitale Sketchnotes in Procreate auf dem iPad

Das ändern drei Procreate-Einstellungen

Gesucht hatte ich eigentlich nur eine Lösung für die Handschrift, gelandet bin ich beim Digital Lettering Kurs [Wenn du aufs iPad umsteigst]. Die Überlegung: Wer lernt, Buchstaben digital kontrolliert zu konstruieren, bekommt nebenbei bessere Symbole — Sketchnotes bestehen zu einem großen Teil aus Text, der eine klare Hierarchie braucht.

Drei Dinge machten den Unterschied. Erstens die Brush-Größe — Procreate arbeitet pixelbasiert, und der falsche Pinsel sieht bei kleiner Schrift sofort matschig oder zittrig aus. Zweitens die 'Streamline'-Funktion, eine Form der digitale Bildverarbeitung, die zittrige Linien im Hintergrund mathematisch glättet. Drittens die Trennung in zwei Ebenen: eine für das schnelle Scribble während des Sprechens, eine für die saubere Reinzeichnung danach.

Ob Papier am Ende doch im Vorteil bleibt, ist eine andere, größere Frage — in einer Retro letzte Woche habe ich neben dem iPad kurz mein altes Notizbuch aufgeschlagen, und auf einen Blick stand die ganze Seite da, kein Wischen, kein Scrollen. Wie man grundsätzlich ohne Zeichentalent schnell genug mitzeichnet, um im Meeting nicht den Anschluss zu verlieren, ist wieder eine eigene Frage — genauso wie die, welcher Stift oder Stylus sich dafür überhaupt eignet. Hier geht es nur um die Tablet-Seite davon.

Wer diese Trennung einmal verinnerlicht hat, kann zum Beispiel Product Release Notes visuell aufbereiten, ohne hinterher alles neu zu zeichnen. Ich exportiere die fertige Ebene direkt ins Jira-Ticket, fertig. Welches Layout dabei zum Scrum-Board oder zur Architektur-Diskussion passt, ist nochmal eine eigene Entscheidung für IT- und SaaS-Projekte.

Ebenen-Struktur in Procreate zur Organisation visueller Notizen im Produktdesign-Workflow

Zwei Reaktionen auf dieselbe Notiz

Hauke, unser Scrum Master, hat während eines Sprint-Plannings auf meinem Bildschirm mitgelesen und danach keine Mail geschickt, sondern wie fast immer eine Voice-Message — anderthalb Minuten dazu, wie leserlich die Notiz plötzlich war. Bei ihm ist das fast schon ein Ritterschlag.

Nicht jedes Symbol kam so gut an. Mein selbst erfundenes Zeichen für 'Blocker' — ein kleiner Kreis mit einem Strich darin — wurde in einem Review irgendwie zweimal als Explosion und einmal als Blume gelesen. Seitdem nutze ich dafür ein simples Kreuz, das wenigstens niemand missversteht.

Das Handgelenk merkt den Unterschied zuerst

Die Ergonomie hatte ich unterschätzt. Stundenlang verkrampft auf Glas zu schreiben, meldet sich irgendwann im Unterarm. Sobald die Stifthaltung stimmt und der Druckpunkt nicht mehr wie auf Papier angesetzt wird, lässt das Ziehen nach — auf dem Tablet reicht ein Gleiten, mehr nicht.

Mein Schreibtisch in der Altbauwohnung in Eimsbüttel ist dafür nicht ideal eingerichtet, aber ausreichend: unbehandeltes Kiefernholz, ein zweiter Monitor links, das A5-Notizbuch liegt rechts von der Maus, für den Fall, dass das Tablet mal akkuleer ist. Über dem Bildschirm ein Regal mit drei angefangenen Notizbüchern und losen Fineliner-Packungen. Das Fenster geht zum Innenhof — diffuses Licht, kaum direkte Sonne.

Für wen sich der Umstieg lohnt – und für wen nicht

Wer seine Meeting Atmosphäre verbessern will, sollte trotzdem klein anfangen: ein paar saubere Überschriften, ein paar klare Container, bevor der ganze Werkzeugkasten eines Kurses dazukommt. Wer schon ein iPad und einen Apple Pencil besitzt und seine Notizen bereits nach einem funktionierenden System baut, bekommt mit dem Digital Lettering Kurs [Wenn du aufs iPad umsteigst] genau die Kalibrierung, die Online-Tutorials meistens auslassen — Brush-Settings, Export-Workflow, Ebenen-Logik.

Fehlt dagegen noch jedes System für Symbole, Container und Verbindungen, fängt man mit Papier oder Tablet gleich schlecht an; dafür ist der Sketchnotes Kurs [Mein Einstiegs-Kurs] der sinnvollere Startpunkt, unabhängig vom Gerät. Und wer eigentlich auf schöne Überschriften für Social Media oder Einladungskarten zielt, ist beim Handlettering Kurs [Wenn du dekorativer werden willst] besser aufgehoben — das ist ein anderes Ziel als lesbare Meeting-Notizen, und beides sollte man nicht verwechseln. Rainer, Stammleser aus einer Sketchnotes-Facebook-Gruppe, hat mir letzte Woche wieder ein Foto seiner eigenen Tablet-Notizen geschickt, ohne ein Wort dazu — das vierte oder fünfte inzwischen. Ob man so etwas eher für die Wochenplanung oder nur für die akute Mitschrift im Meeting nutzt, ist wieder eine andere Entscheidung.

Der Preis für den Kurs steht auf der Anbieter-Seite und schwankt je nach Saison — das kann ich hier nicht seriös nennen.

Was ich nennen kann: Ich lese meine eigenen Notizen wieder.

Mehr wollte ich eigentlich nie.

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