Hand und Stift

Wie ich Sketchnotes für bessere Konzentration in Online Meetings nutze

Eine Tabelle in Google Docs vergisst so ziemlich alles, sobald du sie schließt. Eine gezeichnete Linie mit einem Pfeil dran bleibt drei Meetings später noch da, ohne dass du sie nochmal liest. Genau diesen Unterschied vergleiche ich hier: Sketchnotes für Anfänger gegen klassische Tabellen-Protokolle, als visuelle Notizen für mehr Produktivität im Meeting — nicht als Kunstprojekt, sondern als Werkzeugvergleich.

Kurz vorweg, weil es fair ist: In diesem Text stecken Affiliate-Links. Wenn du darüber den Sketchnotes Kurs buchst, bekomme ich eine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Ich verlinke nur, was ich selbst im PM-Alltag benutze, um die 62 Prozent meiner Woche in Meetings halbwegs zu überstehen — nicht, um dir etwas zu verkaufen, das nur hübsch aussieht.

Zwei Wege zu mehr Produktivität im Meeting

Sina Gottwald, eine Leserin, hat mir vor ein paar Wochen geschrieben. Drei Absätze, fünf Emojis, und mittendrin die Frage, ob sie für ihre Kundenworkshops besser bei ihrer Tabellen-Vorlage bleibt oder direkt auf Sketchnotes umsteigt, obwohl sie noch nie gezeichnet hat. Ich habe zurückgefragt, was genau an der Tabelle nicht funktioniert — und bekam von ihr, wie so oft, erstmal drei Gegenfragen zurück, bevor überhaupt eine Antwort kam.

Genau die gleiche Frage stelle ich mir seit Monaten für meine eigenen Standups. Zwei Systeme, ein Zweck: ein Protokoll, das man drei Tage später noch versteht. Der Unterschied zeigt sich nicht im Meeting selbst, sondern danach — wenn du das Ding nochmal aufmachst und wissen willst, wer was bis wann macht.

Warum meine Tabelle nach drei Meetings tot war

Meine erste Antwort auf das Chaos war pragmatisch: eine geteilte Tabelle in Google Docs, eine Zeile pro Thema, eine Spalte für Entscheidung, eine für Owner. Klang vernünftig. Nach dem dritten Meeting war sie eine Wand aus zusammengequetschtem Text, Zeilen liefen ineinander, niemand hatte die Spaltenbreite angepasst, und ich wusste beim vierten Mal nicht mehr, welche Zelle zu welchem Thema gehörte.

Das Problem war nicht Faulheit. Tabellen brauchen Struktur, die schon vorher feststeht — Themen, die sich sauber in Spalten pressen lassen. Meetings tun das nicht. Ein Standup springt von Deployment zu Urlaubsplanung zu einem Kundenticket, und keine Tabelle der Welt hält diese Sprünge auseinander, ohne dass du sie ständig nachträglich umbaust.

Fünf Grundformen für visuelle Notizen aus dem Sketchnotes-Kurs auf Papier

Ein Anker hält, eine Zelle nicht

An dieser Stelle kommt der eigentliche Unterschied zwischen den beiden Systemen ins Spiel — was ich für mich einen Aufmerksamkeits-Anker nenne. Eine Tabellenzelle ist neutral. Sie speichert Text, aber sie gibt deinem Gehirn nichts, woran es sich später visuell festhalten kann. Ein einfaches Symbol dagegen, etwa ein Kreis für eine Entscheidung oder ein Pfeil für eine Abhängigkeit, wird zu einem Fixpunkt, zu dem deine Aufmerksamkeit zurückspringt, sobald sie abdriftet.

Der Mechanismus dahinter ist simpel: Während jemand redet, zeichnest du nicht mit, du markierst. Du setzt einen Container für ein Thema, einen Pfeil für eine Verbindung, und dieser Anker sitzt an einer festen Stelle auf dem Blatt. Steigt dein Kopf zehn Sekunden später wieder ein, reicht ein Blick auf die Stelle, um zu wissen, wo das Gespräch gerade war; bei einer Tabellenzeile musst du den ganzen Satz nochmal lesen, um dich neu zu orientieren.

Die Struktur dafür habe ich mir nicht selbst zusammengebastelt. Ich habe sie mir über den Sketchnotes Kurs geholt, weil pures Ausprobieren bei mir nur zu überladenen Seiten geführt hätte, die am Ende schlechter lesbar waren als jede Tabelle. Mit hübscher Handschrift oder Kalligrafie hat das alles übrigens nichts zu tun — das ist ein komplett anderes Handwerk mit einem anderen Ziel.

Welches Symbol du für was verwendest, ist nochmal eine andere Frage als die, die mich hier eigentlich interessiert. Genauso, wie du Wichtiges von Nebensächlichem auf der Seite trennst, wäre ein eigenes Kapitel für sich. Und wie selektiv du beim Zuhören sein darfst, ohne etwas Entscheidendes zu verpassen, gehört ebenfalls nicht in diesen Vergleich; nur so viel: Bei mir hat es sich eingespielt, eher zu wenig zu zeichnen als zu viel.

Der Standup, der den Unterschied zeigte

Am Montagmorgen, mitten im Standup, kam der Beweis, den ich vorher nur behauptet hatte. Der Kollege mit dem längsten Update war noch nicht mal bei seinem zweiten Satz, da stand die komplette Taskverteilung unseres Teams schon auf einer halben A5-Seite: wer was macht, was noch offen ist, wer auf wen wartet.

Schnell zeichnen, ohne auf eine perfekte Linie zu warten, ist dabei die eigentliche Fähigkeit, nicht das Zeichnen selbst. Wer Schritt für Schritt Sketchnotes lernen will, sollte genau an diesem Punkt anfangen — bei der Geschwindigkeit, nicht bei der Schönheit der Linie. Bei mir hat das nur funktioniert, weil ich aufgehört habe, jede Linie zweimal nachzuziehen.

Vergleich zwischen Tabellen-Protokoll am Laptop und visuellen Notizen im Meeting

Was Gisa anders macht als ich

Gisa Pranger sitzt im UX-Team, zwei Schreibtische weiter, und setzt Farbe in ihren Sketchnotes deutlich systematischer ein als ich. Drei Farben, feste Bedeutung, jedes Mal gleich — Rot für Blocker, Grün für erledigt, Blau für offene Fragen. Wer das lernen will, findet dazu mehr unter Farben in Sketchnotes; ich selbst komme meistens mit einem einzigen grauen Marker für Schatten aus, weil mir die Zeit für ein drittes Farbsystem im Meeting fehlt.

Nach dem Standup fragte mich ein Kollege aus dem Backend-Team, ob er sich die Seite kurz ansehen dürfe. Er wollte wissen, warum sein Task neben dem Frontend-Release hing. Genau daran zeigt sich der Unterschied: Eine Tabelle zeigt dir eine Aufgabe pro Zeile, eine Sketchnote zeigt dir das Netz zwischen den Aufgaben.

Diese Punkte gehören nicht in den Vergleich

Für IT- und SaaS-Meetings mit vielen parallelen Strängen braucht es meistens noch eine eigene Layout-Entscheidung für die Seite. Das ist aber ein anderes Thema als der Vergleich hier. Ob am Ende Papier oder iPad drankommt, ist wieder eine ganz eigene Abwägung, die nichts mit Tabelle gegen Sketchnote zu tun hat. Und ganze Prozessketten für Stakeholder nachzuzeichnen oder live vor einer Gruppe am Whiteboard zu moderieren, sind nochmal andere Fähigkeiten als das stille Mitzeichnen am eigenen Bildschirm während eines Standups.

Wer in seinen Notizen auch Personen einbauen will, etwa für Stakeholder-Maps mit vielen Namen, findet unter Sketchnotes Männchen einfach zeichnen eine Anleitung dazu. Für den Vergleich zwischen Tabelle und Symbol-Anker, um den es hier geht, ist das aber ein Extra, kein Muss.

Fertige Sketchnote-Seite mit Container-Struktur für einen Software-Release-Plan

Tabelle oder Sketchnote: Wann lohnt sich was?

Die ehrliche Antwort an Sina war am Ende keine Empfehlung für ein System, sondern eine Bedingung: Eine Tabelle reicht, wenn du reine Fakten sammelst, die du später sortierst oder in eine andere Vorlage überträgst: Zahlen, Status, ein Datum. Sobald es aber um Zusammenhänge geht, wer mit wem worüber spricht, was von was abhängt, kippt die Tabelle, und ein Symbol-Anker auf Papier oder Tablet hält länger durch.

In dem einen Jahr, in dem ich das jetzt mache, habe ich die Tabelle kein einziges Mal zurückgeholt, wenn es um ein Meeting mit mehr als drei Themen ging. Für eine reine Linkliste nach einem Call nutze ich sie bis heute, dafür ist sie schneller als jedes Symbol. Für alles, was danach noch einen Sinn ergeben muss, gewinnt der Anker.

Wenn du wie Sina vor der gleichen Entscheidung stehst: Für den Einstieg in die Symbol-Seite dieses Vergleichs war für mich der Sketchnotes Kurs der pragmatischste Weg, weil er direkt auf Meeting- und Projektnotizen zielt und nicht auf hübsche Überschriften. Die Tabelle wirfst du deshalb nicht weg. Du entscheidest nur von Fall zu Fall, welches Werkzeug die Verbindung zwischen den Themen tatsächlich sichtbar macht.

Verwandte Artikel