
Über 40 Einträge stehen in der Symbol-Liste von Maximilian, einem Junior-PM, mit dem ich mich seit einem LinkedIn-Kommentar unter einem meiner Beiträge ab und zu austausche. Bei mir, was Sketchnotes-Symbole angeht: null. Nicht weil ich sie ablehne, sondern weil meine Baustelle eine andere war – ich konnte meine eigene Handschrift auf dem iPad schlicht nicht mehr lesen, und kein Symbol-Katalog der Welt hilft gegen unleserliches Digital Lettering.
Kurzer Hinweis, bevor es weitergeht: Dieser Text enthält Affiliate-Links, unter anderem zum Digital Lettering Kurs, den ich über mehrere Monate parallel zum PM-Alltag getestet habe. Kaufst du darüber, bekomme ich eine Provision – am Preis für dich ändert das nichts.
Vorgefertigte Confluence-Vorlagen reichen nicht aus
Die naheliegende Antwort vor dem Lettering war: eine ordentliche Struktur in Confluence. Vorgefertigte Meeting-Vorlagen kopiert, mit Feldern für Entscheidungen, Action Items, offene Punkte. Sah im Editor übersichtlich aus. Gesucht habe ich darin trotzdem nie wieder etwas – zu viele Felder, zu viel Rauschen, kein Gedächtnis dafür, wo ich was eingetragen hatte. Textstruktur löst kein Erinnerungsproblem. Eine Seite, auf der ich sehe, wo etwas steht, schon eher – bei visuellen Notizen merkt sich das Auge Positionen, nicht Überschriften.
Vom Papier aufs Glas: Was beim iPad-Umstieg schiefgeht
Der Wechsel vom Notizbuch zum Tablet klang nach der logischen Lösung: mehr Kontrolle, mehr Druckstufen, am Ende bessere Schrift. Auf dem Glas fehlt aber der Widerstand des Papiers – Folien mit Papier-Haptik und neue Spitzen für den Pencil ändern daran wenig, weil das Problem vor dem Gerät sitzt und am Ende die Hand selbst die Lesbarkeit liefern muss.

Trotzdem habe ich das zuerst über Hardware lösen wollen. Ohne Erfolg. Was wirklich half, war eine andere Frage: nicht welche Spitze, sondern wie ich den Stift überhaupt halte und führe.
Was ein Digital-Lettering-Kurs bringt
Mein Ziel war nie Kunst, sondern Produktivität im PM-Alltag: dass ein Entwickler im Standup liest, was ich zu einem Bug-Report notiert habe, ohne dass ich es ihm hinterher noch einmal vorlesen muss.
Deshalb habe ich mich intensiver mit dem Digital Lettering Kurs beschäftigt, der komplett auf Procreate und den Apple Pencil zugeschnitten ist. Gefehlt haben mir nicht neue Buchstabenformen, sondern ein Verständnis dafür, wie Brush-Einstellungen, Export und Ebenen zusammenspielen – genau das deckt der Kurs ab, während die Hand-Aufbau-Grundlagen fürs Zeichnen auf Papier bewusst außen vor bleiben. Wer schon aufs iPad umgestiegen ist, überträgt die Sketchnotes-Skills von dort erstaunlich direkt.
Procreates Raster-Technik und was sie mit Lesbarkeit zu tun hat
Ein Detail, das vorher nicht auf meinem Schirm war: Procreate arbeitet mit einer Raster-Engine, nicht mit Vektoren. Praktisch heißt das: Schon beim Schreiben muss klar sein, wie groß der Text am Ende sein soll, sonst wirkt er beim Export matschig – unpraktisch, wenn die Seite später als PDF an Stakeholder rausgeht.

Im Kurs ging es viel um die 'Streamline'-Funktion, eine Glättung der Linie in Echtzeit. Klingt nach Spielerei. Sorgt aber dafür, dass ein krummes O auf dem Display am Ende wie ein O aussieht und nicht wie ein verunglücktes C.
Schönere Schrift macht Notizen nicht automatisch lesbarer
Es gab eine Phase, in der ich zu sehr auf die Form einzelner Buchstaben geachtet habe – ein 'S' noch einmal nachgezogen, während der Stakeholder längst beim nächsten Punkt war. Genau das ist die Falle beim Lettering: Man verliebt sich ins Dekorative und verpasst den Inhalt.
Ein makelloses Schriftbild kann die Aufnahme sogar verschlechtern, weil das Gehirn mit der Form beschäftigt ist statt mit dem, was gerade gesagt wird. Der Mittelweg, den mir der Kurs gezeigt hat: klare, serifenlose Blockbuchstaben für den Inhalt, Schnörkel höchstens für Überschriften. Wer noch gar keine Symbole hat und bei null anfängt, ist mit dem Sketchnotes Kurs besser bedient als mit Lettering – Buchstaben-Feinschliff lohnt erst, wenn die Grundstruktur der Notizen schon sitzt.
Was sich im Stakeholder-Meeting wirklich verändert hat
Im letzten Stakeholder-Meeting kam der Praxistest. Live mitgeschrieben, auf dem großen Screen, im selben Raum, in dem sonst nur der Whiteboard-Marker quietscht, wenn die Lüftung mal wieder nicht hinterherkommt. Mein Pfeil für 'verschoben auf' ist inzwischen so eindeutig, dass niemand mehr nachfragt, was er bedeutet. Der erste Versuch davon soll laut einem Kollegen ausgesehen haben wie eine Wegbeschreibung zur Kantine – das hat er mir erst viel später gestanden.
Nach dem Meeting hat mich ein Kollege gefragt, ob ich ihm das Protokoll schicken kann – nicht als Text-Wüste, einfach der Export von der Leinwand. Früher hat niemand danach gefragt, weil es schlicht nicht lesbar war. Heute ist die Struktur klar genug, dass sie glatt als Produktvision visualisieren durchgehen könnte, auch wenn es nur ein Meeting-Protokoll war.
Mein Nachbar Matthias, der eine Etage unter mir wohnt und ebenfalls remote arbeitet, fragt mich trotzdem bei jeder Gelegenheit, wie weit ich mit dem Lettering bin – meistens auf dem Weg zum Co-Working-Space in der HafenCity, wenn wir beide keinen Homeoffice-Tag eingetragen haben. Er zeichnet selbst keine Zeile, die Frage kommt trotzdem zuverlässig. Für mich ist das inzwischen eher ein Gradmesser, ob sich seit dem letzten Mal überhaupt etwas verändert hat, als ein nerviger Checkpoint.
Wer sich fragt, ob sich digitale Sketchnotes am Tablet erstellen grundsätzlich lohnt oder ob Papier reicht, bekommt von mir eine unbefriedigende Antwort: kommt auf das Meeting an. Für schnelle Standups reicht oft noch das Notizbuch. Für Reviews, die exportiert und weitergeschickt werden, ist das Tablet inzwischen Standard.
Muss ich Designer sein, um lesbar zu schreiben?
Nein. Man muss verstehen, wie der digitale Stift mit der Software redet, das ist im Kern alles. Mein Kriterium, bevor ich an einem Symbol oder einer Schriftart weiterbastle: Kann eine zweite Person es ohne meine Hilfe lesen, ja oder nein. Wenn nein, ist das kein Geschmacksproblem, sondern ein Technik-Problem – und genau an diesem Punkt hat mir der Digital Lettering Kurs den meisten Frust genommen, weil er bei der Technik ansetzt statt bei der Ästhetik.