Hand und Stift

Warum ein Sketchnotes Kurs für Product Manager Zeit im Alltag spart

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Ein getipptes Meeting-Protokoll vergisst man schneller, als man es getippt hat – eine Sketchnote nicht. Das ist im Kern der ganze Business Case für einen Sketchnotes Kurs, wenn man wie ich in einem Hamburger SaaS-Unternehmen Product Management macht und einen Großteil der Arbeitswoche in Terminen verbringt. Nicht weil Zeichnen hübscher aussieht als Text, sondern weil visuelle Notizen die Übersetzungsarbeit nach dem Meeting eliminieren, die bei getippten Protokollen ohnehin fast nie stattfindet. Effizienz entsteht hier nicht durch einen volleren Kalender, sondern durch weniger Reibung zwischen Notiz und Erinnerung – und das verändert am Ende auch die Meeting-Kultur im Team.

Davor hatte ich es mit einer Post-it-Wand am Schreibtisch versucht – jeder Task ein Zettel, jede Farbe ein Status. Nach dem nächsten Sprint war die Wand leer, weil sie außerhalb der Retro niemand mehr ansah, ich selbst eingeschlossen. Der Sketchnotes Kurs hat mir kein neues System verkauft, sondern eine andere Grundregel: Die Hand folgt dem Kopf, nicht dem Mund der Person, die gerade spricht. Wer versucht, jeden Satz mitzuschreiben, verliert die Zeit doppelt – einmal beim Zuhören, einmal später beim Versuch, den eigenen Wortsalat wieder zu entschlüsseln.

Wie sich Meeting-Kultur ändert, wenn das Protokoll ein Bild ist

Rapid Capture nennt der Kurs das Prinzip, in Sekunden eine Grundform hinzuwerfen, statt einen vollständigen Satz zu formulieren. Praktisch heißt das: Wenn ich eine User Story im Backlog verfeinere, schreibe ich keine drei Absätze mehr, sondern skizziere den Kern der Anforderung. Oft hilft es schon, User Stories visuell darzustellen, um logische Lücken in der Argumentation eines Stakeholders sofort sichtbar zu machen. Ein Pfeil, der ins Leere läuft, fällt schneller auf als ein Nebensatz in Zeile 45 eines Dokuments, das ohnehin niemand noch einmal öffnet.

Das entlastet nicht nur mich, sondern auch das Entwicklungsteam, das nicht dreimal nachfragen muss, was mit 'Happy Path' eigentlich gemeint war. Wo früher ein Rückfrage-Thread lief, reicht heute oft ein Blick auf die Skizze.

Vergleich zwischen unstrukturierten Textnotizen und einer klar gegliederten Sketchnote im Meeting

Icons statt Sätze

Ein kleines, stabiles Icon-Set spart in jedem Standup ein paar Sekunden Beschriftungszeit – multipliziert über die vielen Termine einer durchschnittlichen SaaS-Woche kommt einiges zusammen. Wichtig ist, dass sich die Icons nicht ständig ändern, sonst muss das Gehirn jedes Mal neu entschlüsseln, was gemeint ist. Ich nutze inzwischen recht konsequent Sketchnotes Männchen, um Rollen und Verantwortlichkeiten in einer Stakeholder-Analyse schnell zu klären – ein Strichmännchen mit Krone ist der Entscheider, eines mit Lupe der QA-Tester, verstanden in Millisekunden, ohne dass jemand etwas erklären müsste.

Welchen Rahmen wählt man, bevor der erste Strich sitzt?

Bevor ich überhaupt anfange zu zeichnen, entscheide ich, welches Layout zur Art des Meetings passt – ein Status-Update braucht eine andere Struktur als eine Architektur-Diskussion, und diese Entscheidung vorab spart mehr Zeit als jedes einzelne Icon danach. Farbe setze ich dabei sparsam ein, eher als Markierung für Status oder Priorität denn als Dekoration; sobald ich anfange, mehrere Grüntöne für denselben 'Erfolgs-Status' zu mischen, während die Roadmap-Planung weiterläuft, habe ich das eigentliche Ziel schon verfehlt.

Live mitzeichnen, um Diskussionen zu bremsen

Live-Sketchnoting während eines Meetings wirkt wie ein Anker im Raum. Sobald ein Kästchen auf dem Bildschirm auftaucht und ich frage, ob das die Datenbank ist, von der gerade alle reden, müssen sich alle committen. Häufig stellt sich dabei heraus, dass drei Leute drei verschiedene Dinge gemeint haben, und diese kurze Zeichenpause spart am Ende deutlich mehr Diskussionszeit, als sie kostet. In einer besonders zähen Besprechung habe ich 5 einfache Sketchnotes Rahmen genutzt, um die verschiedenen Argumente zu clustern, statt sie im Kreis diskutieren zu lassen. Dieselbe visuelle Hierarchie, die eine Roadmap lesbar macht, funktioniert auch für eine hitzige Debatte über Priorisierung. Hauke, unser Scrum Master, hat danach nur eine Sprachnachricht geschickt: 'Genau das hätten wir früher gebraucht.'

Für Prozessdiagramme oder eine API-Architektur greife ich zunehmend auf Flow-Notation zurück – Pfeile, Kästen, kleine Verzweigungen, die einen Ablauf zeigen, ohne dass ich jeden Schritt ausformulieren muss. Ein Pfeil, den ich mitten in einer hektischen Sitzung hingeworfen habe, verstehe ich heute noch, ohne nachzudenken, während die Randnotiz daneben mir jedes Mal ein Rätsel aufgibt. Das ist am Ende der ganze Punkt: Die Zeichnung muss nicht schön sein, sie muss nur konsistent genug sein, um später ohne Übersetzung zu funktionieren.

Live-Sketchnoting auf einem Tablet während eines Product-Management-Meetings

Digital, analog und die Grenze zum Lettering

Ob das auf dem Tablet oder auf Papier passiert, ist zweitrangig – wichtig ist nur, dass das Werkzeug selbst nicht zum Thema wird, sondern im Hintergrund verschwindet. An meinem Schreibtisch liegt das Notizbuch griffbereit neben der Maus, der zweite Monitor links daneben, darüber ein Regal mit drei angefangenen Notizbüchern und einer losen Sammlung Fineliner, die nie ganz aufgeräumt wirkt. Direktes Sonnenlicht gibt es dort kaum, nur ein diffuses Licht vom Innenhof – nach einem Deep-Dive, der sich über eine Stunde gezogen hat, bin ich in der Pause kurz durch die HafenCity gelaufen, nur um den Kopf freizubekommen, bevor der nächste Call startet.

Mit Handlettering hat das alles wenig zu tun, auch wenn beide Begriffe gerne im selben Atemzug genannt werden – hier geht es um Tempo und Verständlichkeit, nicht um schöne Buchstaben.

Wo die Zeitersparnis wirklich entsteht

Meine Faustregel inzwischen: Wenn eine Notiz länger dauert zu tippen als ein Kästchen mit einem Pfeil zu zeichnen, zeichne ich das Kästchen.

Alles andere ist Gewohnheit, keine Effizienzfrage.

Ich verbringe immer noch 62 Prozent meiner Arbeitswoche in Terminen, aber ich gehe nicht mehr mit dem Gefühl raus, dass mein Kopf aus Watte besteht. Etwas Greifbares bleibt übrig – etwas, das ich später auch wirklich noch lesen kann.

Rainer, ein Leser aus einer Sketchnotes-Facebook-Gruppe, hat mir neulich ein Foto seiner eigenen Notizen geschickt, ohne ein einziges Wort dazu. Ich musste nicht lange hinsehen, um zu erkennen, dass er dasselbe Pfeilsystem nutzt wie ich – der Filter im Kopf ist offenbar übertragbar, das Zeichnen selbst eher nebensächlich.

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