Hand und Stift

Wie ich Fehler in Sketchnotes korrigieren kann ohne das Blatt wegzuwerfen

Drei Sekunden. Länger braucht ein Fineliner nicht, um aus einer sauberen Zeile einen Kratzer zu machen, der sich nicht zurücknehmen lässt, kein Strg+Z, kein Radiergummi, der auf dünnem Notizbuch-Papier wirklich hilft. Genau in diesen drei Sekunden entscheidet sich, ob eine Sketchnotes-Seite die Korrektur übersteht oder zerknüllt im Papierkorb landet.

Kurzer Hinweis vorab: In diesem Text stecken Affiliate-Links. Kaufst du über einen davon einen Kurs, bekomme ich eine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Ich verlinke hier nur Kurse wie den Sketchnotes Kurs, den ich selbst im Hamburger Büro-Alltag getestet habe, weil er mir beim Thema Fehlerkorrektur konkret weitergeholfen hat.

Als Product Manager sitze ich laut Kalender in extrem vielen Meetings, und Sketchnotes sind bei mir kein Kunstprojekt, sondern der Versuch, visuelle Notizen zu nutzen, die am Ende des Arbeitstages noch lesbar sind. Fehlerkorrektur ist dabei kein Nebenthema, sie ist die Fehlerkultur, ohne die der ganze Ansatz nicht funktioniert.

Die Fragen dazu kommen ständig, von Kollegen genauso wie von Lesern dieses Tagebuchs. Deshalb sammle ich sie an dieser Stelle, mit den Antworten, die bei mir im echten Meeting-Tempo auch unter Zeitdruck standhalten.

Das Blatt brauchst du nicht wegzuwerfen

Nein, das ist die kurze Antwort, die die wenigsten hören wollen, wenn sie mit hochrotem Kopf auf einen verhauenen Schriftzug starren. Ein einzelner falscher Strich macht eine Seite nicht unbrauchbar. Er macht sie höchstens für ein paar Sekunden hässlicher, bis man ihn eingebaut hat.

Entscheidend ist nicht die Linie, die danebengeht. Entscheidend ist, was auf der restlichen Seite bereits steht, vielleicht eine halbe Stunde Sprint-Logik, drei verschränkte Pfeile zwischen Stakeholdern, eine Timeline, die gerade erst Sinn ergibt. Das wirft man nicht weg, nur weil ein Buchstabe kippt.

So einfach ist das.

Fehlerkultur beim Sketchnoten: die Regel, die den Unterschied macht

Fehlertoleranz ist bei mir keine Einstellungssache, sondern eine konkrete Arbeitsweise: Ein Fehler bleibt auf dem Blatt, wird aber sofort in etwas verwandelt, das dort hingehört, ein Rahmen, ein Schatten, eine Box. Nichts wird radiert, nichts wird rausgerissen, nichts wird neu angefangen.

Der Denkfehler, den fast jeder am Anfang macht: Man behandelt Papier wie einen Bildschirm mit Rückgängig-Funktion. Ist es aber nicht. Sobald der Stift aufsetzt, ist die Entscheidung getroffen, und offen bleibt nur noch, ob der Fleck Teil der Seite wird oder zum Störfaktor. Das entscheidet sich im nächsten Strich, nicht im nächsten Blatt.

Ich raffe hier nicht die komplette Logik von Rahmen und Ebenen auf, die für eine klare visuelle Hierarchie sorgt — dafür gibt es andere Texte. Für die Fehlerkorrektur reicht die Grundregel: größer drüber schlägt kleiner drunter fast immer. Bei der ganzen Übung geht es sowieso um den Wissenstransfer zwischen mir und den Leuten, die später auf die Seite schauen, nicht um ein makelloses Blatt.

Nahaufnahme einer Sketchnotes-Korrektur: ein Fehler wird im Notizbuch mit einer dunklen Fläche übermalt

Der Bullet-Journal-Versuch ist nach drei Tagen kollabiert

Bevor ich bei Rahmen und Schatten gelandet bin, habe ich es mit einem eigenen Bullet-Journal-System versucht — eigene Symbole für Aufgabentypen, eigene Farben für Prioritäten, ein kleiner Code für jede Meeting-Art. Auf dem Papier sah der Plan richtig clever aus.

Am dritten Tag ist er kollabiert. Ich hatte mir selbst nicht gemerkt, welches Symbol wofür stehen sollte, und saß in einem Planning mitten in drei verschiedenen Dreiecken, die angeblich drei verschiedene Dinge markierten.

Keine Ahnung mehr, welches.

Genau da wurde mir klar: Ein System, das man sich unter Zeitdruck nicht merken kann, ist kein System — es ist zusätzlicher Stress mit Stiften.

Seitdem halte ich es simpel. Ein Fehler bekommt immer dieselbe Behandlung, keine Sonderfälle, keine Farbcodes, die ich beim nächsten Meeting sowieso wieder vergessen hätte.

Falls eher die Handschrift selbst das Problem ist und nicht die Korrektur eines Fehlers, helfen einfache Handlettering Übungen mehr als jede Technik in diesem Text — das ist allerdings ein anderes Problem als das, worum es hier geht.

Fehler in Echtzeit reparieren, ohne das Blatt zu verlieren

Der Schatten-Trick ist der einfachste: Ein Buchstabe kippt, eine Linie sitzt schief — direkt daneben kommt ein grauer Schatten, und das Auge liest die Fläche als Absicht, nicht als Patzer.

Die Box-Methode nutze ich bei ganzen Wörtern. Statt durchzustreichen, ziehe ich eine dicke Box um das falsche Wort, fast wie eine Schwärzung in einem Dokument, und schreibe das richtige Wort direkt daneben. Wirkt seltsamerweise wichtiger als der ursprüngliche Text.

Beim Icon-Overlay wird ein missglücktes Symbol einfach überzeichnet, aus einem schiefen Pfeil wird ein Blitz, aus einem missratenen Kreis ein Ausrufezeichen. Für so etwas hilft ein eigenes Symbol-Vokabular, das man sich über viele Meetings hinweg aneignet, aber das würde hier zu weit führen. Manche arbeiten zusätzlich mit Farben, um Struktur sichtbar zu machen — auch das ist ein eigenes Kapitel, das ich an dieser Stelle nicht aufmache.

Viel von der Grundlogik hinter diesen drei Techniken habe ich zuerst im Sketchnotes Kurs gesehen — dort ging es nie um schöne Linien, sondern darum, Informationen so zu verpacken, dass sie überleben, auch wenn der Stift mal ausrutscht. Wer stattdessen aufs iPad wechselt, findet im Digital Lettering Kurs einen ähnlichen Ansatz, nur mit einer Rückgängig-Funktion, die Papier nie haben wird.

Rahmen- und Schatten-Techniken für die Sketchnotes-Korrektur im Vergleich, handgezeichnet im Notizbuch

Kollegenreaktionen auf übermalte Fehler

Gisa Pranger, UX Lead im Nachbarbereich, hat mal auf eine übermalte Stelle in meinem Notizbuch gezeigt und gefragt, ob das ein Review-Kommentar sein soll. Bei ihr im Design-Review markiert man offene Punkte ganz ähnlich — dicker Rahmen, Symbol daneben, fertig.

Sie hatte nicht ganz unrecht. Ein übermalter Fehler und eine offene Anmerkung sehen sich strukturell erstaunlich ähnlich: beides ist eine Markierung, die sagt, hier war noch etwas offen. Seitdem denke ich beim Übermalen manchmal eher wie im Review-Prozess als wie beim Zeichnen — es geht nicht darum, dass der Strich schön aussieht, sondern dass er die richtige Information transportiert.

Auch ohne Zeichentalent funktioniert es

Eine Leserin, Sina Gottwald, hat mir vor kurzem geschrieben. Sie ist Unternehmensberaterin und will Sketchnotes in einem Kundenprojekt einsetzen, hat nach eigener Aussage aber keinerlei Zeichenerfahrung. Ihre Sorge war weniger die schöne Linie, mehr die Angst, sich vor Kunden zu blamieren, wenn mal etwas danebengeht.

Meine Antwort an sie: Zeichentalent ist für die Fehlerkorrektur fast irrelevant. Was wirklich hilft, ist schnelles Erfassen ohne Anspruch auf Ästhetik — eine Fähigkeit, die man sich Schritt für Schritt aneignet, unabhängig davon, ob man vorher je gezeichnet hat. Sketchnotes sind dabei auch etwas komplett anderes als Handlettering, auch wenn beide mit denselben Stiften arbeiten: Bei Sketchnotes zählt Tempo, bei Handlettering die saubere Linie.

Sie hat seitdem mehrfach zurückgeschrieben, meistens mit einem neuen Rückschlag aus dem Kundenmeeting. Aufgegeben hat sie trotzdem nicht — und das ist am Ende wichtiger als jedes Zeichentalent.

Ein Tipp am Rand, unabhängig vom Zeichentalent: Es hilft, Informationen vorher besser zu filtern, bevor der Stift überhaupt ansetzt — weniger Text bedeutet insgesamt weniger Fläche, auf der etwas schiefgehen kann.

Manche Themen gehören bewusst nicht in diesen Text

Manche Fragen tauchen in Kommentaren regelmäßig auf, gehören hier aber nicht rein. Welche Layout-Vorlage sich für IT-Projekte oder SaaS-Boards eignet, ist eine eigene Entscheidung, die von der Datenstruktur abhängt, nicht von der Fehlerkorrektur. Ob iPad oder Papier die bessere Wahl ist, hat mit ganz anderen Kriterien zu tun als mit übermalten Strichen.

Wie man in einem Online-Meeting die Konzentration hält, während man mitzeichnet und gleichzeitig neun Kacheln im Blick behalten soll, ist ein eigenes Problem für sich. Genauso das aktive Zuhören während des Zeichnens — beides gleichzeitig hinzubekommen, schafft nicht jeder auf Anhieb.

Flow-Diagramme für Stakeholder oder IT-Prozesse folgen anderen Regeln als ein normales Meeting-Protokoll, und einen Workshop live am Whiteboard zu moderieren bringt nochmal eigene Probleme mit, die im eigenen Notizbuch gar nicht auftauchen. Auch Product Features räumlich gegeneinander abzuwägen ist ein eigenes Format mit eigener Logik. Mit der Frage, was mit einem verkratzten Blatt passiert, hat das alles wenig zu tun.

Fertige Sketchnotes-Seite aus einem Meeting mit eingearbeiteten Korrekturen und visuellen Notizen

Die Grenze zwischen kleinem Patzer und echtem Totalschaden

Zuhause im Homeoffice in Eimsbüttel sitze ich an einem Schreibtisch aus rohem Kiefernholz, zweiter Monitor links, A5-Notizbuch griffbereit neben der Maus. Über dem Bildschirm liegt ein Regal mit den angefangenen Notizbüchern der letzten Monate und ein paar losen Fineliner-Packungen, die nie ganz aufgeräumt wirken. Das Fenster geht zum Innenhof raus, eher diffuses Licht als direkte Sonne.

Im Meeting selbst ist von meiner Seite meistens nur das leise Schaben der 0,4er Spitze über glattes Papier zu hören, während rundherum eher getippt wird als gekritzelt. Nach solchen Terminen gehe ich oft eine Runde durch den Alsterpark, bevor ich zurück an den Schreibtisch gehe — nicht um über Fehlerkultur nachzudenken, einfach um den Kopf freizubekommen.

Neulich im Montags-Standup hatte ich die komplette Taskverteilung fürs Team auf eine halbe A5-Seite gebracht — jeder Name mit einem Pfeil zum passenden Thema, ein Kästchen für offene Fragen. Mittendrin ist mir der Stift bei einem Namen abgerutscht. Hätte ich das Blatt in dem Moment weggeworfen, wäre die ganze Verteilung weg gewesen, nicht nur ein Name.

Ein Fehler kostet bei mir nur dann wirklich das Blatt, wenn er unleserlich macht, was danach kommt. Alles andere lässt sich einbauen, überzeichnen oder umrahmen — das ist die einzige Regel, die wirklich zählt.

Wer diese eher gelassene Art, Notizen zu führen, systematisch lernen will, findet die Grundlagen im Einstiegs-Kurs, den ich selbst durchlaufen habe. Er nimmt einem vor allem den Druck, dass jede Linie sitzen muss — eine Erwartung, die man sich als PM ohnehin besser gleich abgewöhnt.

Verwandte Artikel