Donnerstag, 14:03, Retro mit dem Platform-Team. Ich blättere in meinem Notizbuch zurück zu Dienstag und finde eine Wolke mit drei Strichen dran, die ich mir offenbar für „Blocker“ ausgedacht habe — keine Ahnung mehr, warum ausgerechnet eine Wolke. Seit ich im Spätherbst 2025 auf Sketchnotes umgestiegen bin, passiert mir das ungefähr einmal die Woche: ein Symbol, frisch erfunden in der Hitze eines Meetings, das ich drei Tage später selbst nicht mehr entziffern kann. Diese Seite ist mein Versuch, das zu stoppen. Eine feste Liste, auf die ich zurückgreife, statt mir in jedem Meeting neu auszudenken, was ein Zahnrad bedeuten soll.
Visuelles Vokabular: Standard-Symbole
Die Tabelle unten ist mein aktueller Stand — keine Symbole, die ich mal in einem Kurs gesehen und nie wieder benutzt habe, sondern die, die tatsächlich in meinen Meeting-Protokollen auftauchen. Ein Kollege hat im Sprint Planning mal gefragt, was das Puzzleteil neben seinem Namen soll. Antwort: ihm fehlte eine Info für die Story, und ich hatte noch kein besseres Symbol dafür. Jetzt hat es einen festen Platz.
| Symbol | Semantische Bedeutung (Kontext) | Visuelle Basiselemente |
|---|---|---|
| Glühbirne | Idee, Innovation, Geistesblitz, Inspiration | Oval, Sockel (Rechteck/Linien), Strahlen |
| Sprechblase | Diskussion, Dialog, Zitat, Kommunikation | Oval oder Rechteck mit spitzem Ausläufer |
| Zahnrad | Prozess, Technik, Funktionsweise, Zusammenarbeit | Kreis mit quadratischen Einkerbungen am Rand |
| Zielscheibe | Ziel, Fokus, Strategie, Meilenstein | Konzentrische Kreise, oft mit Pfeil im Zentrum |
| Uhr / Wecker | Zeitmanagement, Deadline, Dauer, Pünktlichkeit | Kreis mit Zeigern, ggf. zwei Halbkreise als Glocken |
| Berg / Gipfel | Herausforderung, langfristiges Ziel, Projektende | Dreieck mit unregelmäßiger Basis, ggf. Schneekappe |
| Häkchen | Ergebnis, Erledigt, Entscheidung, Zustimmung | Zwei verbundene Linien (kurz/lang) im Winkel |
| Lupe | Analyse, Recherche, Detailansicht, Prüfung | Kreis mit diagonalem Stiel |
| Puzzleteil | Teamwork, Integration, Passfähigkeit, Lösung | Quadrat mit Ausbuchtungen und Einbuchtungen |
| Rakete | Projektstart, Launch, Geschwindigkeit, Wachstum | Zylinder mit Spitze und seitlichen Finnen |
| Briefumschlag | E-Mail, Nachricht, Information, Kontakt | Rechteck mit V-förmiger Linie im Inneren |
| Batterie | Energie, Ressourcen, Kapazität, Status | Rechteck mit kleinem Aufsatz am Pol |
Der Grund für diese Liste: Ein Symbol, das ich mitten im Meeting neu erfinde, kann ich drei Tage später selbst nicht mehr lesen. Ein festes Vokabular – Glühbirne heißt Idee, Zahnrad heißt Prozess – spart mir genau dieses Rätselraten beim Nachlesen.
Strukturelemente und Konnektoren
Container, Pfeile, Trennlinien — das Gerüst, das aus einer Ansammlung von Symbolen überhaupt eine lesbare Seite macht. Das hat bei mir länger gedauert als das Symbole-Lernen. Meine erste Retro-Sketchnote im Dezember war eine einzige Fläche ohne jede Struktur, alles im selben gedanklichen Kasten. Ergebnis: am nächsten Morgen konnte ich selbst nicht mehr sagen, was Ursache und was Maßnahme war. Nach drei Tagen hab ich die Methode erstmal wieder verworfen und bin zurück zu linearen Stichpunkten — bis mir klar wurde, dass die Struktur, nicht die Zeichnung, eigentlich der Job ist.
- Container (Rahmen)
- Alles, was zusammengehört, kommt in einen Rahmen — Box, Wolke oder Banner, je nachdem wie wichtig es wirken soll. Ich benutze fast nur Boxen. Wolken werden bei mir im Meeting regelmäßig als „unklar“ gelesen, was ehrlich gesagt manchmal sogar stimmt.
- Konnektoren (Pfeile/Linien)
- Zeigen, was mit was zusammenhängt oder worauf etwas folgt. Je dicker der Strich, desto mehr Gewicht — hab ich mir irgendwann angewöhnt, ohne dass mir das wer beigebracht hätte.
- Trenner (Separatoren)
- Eine Linie quer über die Seite, sobald ein neues Thema anfängt. Klingt banal, spart mir aber beim Nachlesen die Hälfte der Verwirrung.
- Aufzählungszeichen (Bullets)
- Statt grauer Punkte benutze ich kleine Icons — Stern für „wichtig“, Pfeilspitze für „nächster Schritt“. Dauert am Anfang länger als schnell draufzutippen, sitzt dafür beim Wiederlesen schneller im Kopf.
Methodische Grundlagen
Ich hab mir das nicht selbst ausgedacht, falls das bisher so wirkte. Zwei Ansätze laufen hier parallel, ohne dass sie damals wohl viel voneinander wussten. Mike Rohde hat den Begriff „Sketchnotes“ nach eigener Aussage im Frühjahr 2007 geprägt [Rohdesign] — davor war er, in seinen eigenen Worten, ein sehr guter Wort-für-Wort-Mitschreiber, der irgendwann keine Lust mehr hatte, jedem Satz hinterherzuschreiben. In einem Interview hat er später erklärt, wie er die visuelle Komplexität für Einsteiger radikal reduziert hat: auf fünf Grundformen — Quadrat, Kreis, Dreieck, Linie, Punkt [ImageThink]. Genau der Vorrat, aus dem auch mein Zahnrad und meine Sprechblase oben zusammengesetzt sind. Parallel dazu entstand in Deutschland die Bikablo-Methodik: 2006 als Visualisierungsteam einer Organisationsberatung gestartet, seit 2015 ein eigenständiges Trainingsunternehmen mit Sitz in Köln [bikablo]. Für die reine Definition — was ein Sketchnote überhaupt ist — reicht meistens ein Blick auf Wikipedia [Wikipedia].
Der theoretische Unterbau dahinter heißt Dual Coding Theory. Allan Paivio hat sie laut Wikipedia in den späten 1960er Jahren an der University of Western Ontario entwickelt [Wikipedia]. Kurzfassung, ohne die ganze Kognitionspsychologie dahinter: Was ich mir gleichzeitig als Wort und als Bild merke, sitzt hinterher besser als reiner Text. Deckt sich zumindest mit meiner eigenen Erfahrung — an Meetings, die ich als Sketchnote festgehalten habe, erinnere ich mich im Stakeholder-Review eine Woche später deutlich zuverlässiger als an die, wo ich nur getippt habe. Ob das an der Theorie liegt oder schlicht daran, dass ich beim Zeichnen aufmerksamer bin, kann ich nicht sauber auseinanderhalten. Vermutlich beides.
Zuletzt geprüft: 2026-07-16